Wir wurden als Innenarchitekten bei einer Ausschreibung zur „Objektplanung Innenräume“ ausgeschlossen

Innenarchitekten ausgeschlossen

Gleiche Qualifikation, ungleiche Chancen

Endlich wieder eine Ausschreibung für Innenarchitektur. So dachten wir. Die Berliner Wasserbetriebe schrieben einen Rahmenvertrag für die „Planung und Gestaltung von Innenräumen, die Entwicklung von Raumstrukturen und -proportionen oder von funktionalen Nutzungseinheiten und Funktionsoptimierung“ aus. In den Planungen sollten „neben den technischen Aspekten, psychische und soziale Aspekte der späteren Nutzer für deren Wohlbefinden verantwortungsvoll in den Planungsprozess zu integriert“ werden. „Dabei sind künstlerisch-ästhetische Mittel zu nutzen, um ein individuelles, unverwechselbares Raummilieu zu schaffen. Dazu gehört der kreative Umgang mit den Gestaltungselementen Material, Farbe und Licht.“

Wer ist dafür wohl besser geeignet und geschult als Innenarchitekten? Dachten wir. 
Jedoch lagen wir falsch: Wir wurden ausgeschlossen.

Zugelassen waren nur Bauingenieure und Architekten. Die Begründung? Fehlende Zulassung für Hochbau. Dabei beziehen sich die ausgeschriebenen Leistungen auf „Gestaltung oder Erstellung von Innenräumen ohne wesentliche Eingriffe in die Gebäudesubstanz oder Konstruktion.“  Natürlich wandten wir ein, dass auch Innenarchitekten als Kammermitglieder beim Bauen im Bestand bauvorlageberechtigt sind. Wir wurden ignoriert. 

Unsere eingereichte Rüge wurde abgewiesen, und wir wurden darauf hingewiesen, dass „die die Ausschreibung weder nach § 160 GWB gerügt werden kann, noch ist die Einleitung eines Nachprüfungsverfahrens bei der zuständigen Vergabekammer rechtlich möglich.“

Innenarchitektur ist Architektur – Zeit für Gleichberechtigung 

In einer Zeit, in der das Bauen im Bestand und die Umnutzung von Räumen die wichtigsten Aufgaben unserer Branche sind, werden wir als spezialisierte Experten durch rückwärtsgewandte Auslobungskriterien ausgegrenzt. Das ist nicht nur frustrierend, sondern eine klare Diskriminierung unseres Berufsstandes.

Warum das ein Problem für alle ist:

– Qualitätsverlust: Wenn Spezialisten für den Innenraum nicht teilnehmen dürfen, leidet das Ergebnis.
– Ressourcenverschwendung: Wenn der Wettbewerb eingeschränkt ist, führt dies zu höheren Preisen.
– Berufsbild: Wir sind keine „Dekorateure“, sondern studierte Planer mit Kammerzulassung und für die ausgeschriebenen Leistungen speziell ausgebildet.

Wir fordern: Faire Wettbewerbsbedingungen und eine Anerkennung unserer Expertise in Ausschreibungen und Vergabeverfahren!

Dieser Artikel ist auch bei Linkedin zu finden. Dort könnt ihr gern mit uns diskutieren. 

Aktuelles

Activity-based Working im Zellenbüro – 7 Impulse, wie Neues Arbeiten in alten Bürostrukturen gelingt

Sind Bürogebäude mit Zellenbüros veraltet? Nicht, wenn man die akustische Unterteilung clever für neue Arbeitsweisen und Funktionsbereiche nutzt. Lesen Sie mehr!

Grundschule nachhaltig und lernfördernd

Wie sollten Räume für Kinder gestaltet sein? Welche Aspekte fördern das Wohlbefinden und die Fantasie? Gedanken zu unserem Wettbewerbsentwurf...

Nachhaltigkeit im Büro – Biophile Atmosphäre im Wildnisbüro Deutschland

Wie sieht eigentlich nachhaltige Innenarchitektur aus? Im Wildnisbüro Deutschland wurde das Büro so gestaltet, dass es funktioniert, flexibel bleibt und Identität zeigt – und dabei auf Ressourcen achtet.

Denkmalpflege vor Ort: Staatsbibliothek Unter den Linden

In der Reihe „Denkmalpflege vor Ort“, einer Kooperation von Architekten- und Baukammer und dem Landesdenkmalamt, werden interessante Sanierungen und zeitgenössische Ergänzungen vorgestellt....

T wie Thinktank

Für ein Café und Wein-Bistro in Potsdam-Babelsberg unterstützten wir in der Entwurfsphase mit Gestaltungskonzept, Zeichnungen und Materialrecherchen....

5 Anregungen zum Thema „Mensch und Raum in der Arbeitswelt“

Was hat Raumgestaltung mit der Personalabteilung zu tun? Eine Menge! Wie Innenarchitektur auf Fachkräfte und im Bewerbungsprozess wirkt, erfahren Sie hier!