Baustelleneinblicke: Umbauen für die Gemeinschaft

Baustelle im Innenraum mit Schubkasse und Leiter. Man erkennt, dass mehrere Räume zusammegelegt wurden. Schriftzug in rot auf dem Bild: "Umnutzung: Aus drei mach eins ..."

Für die Umwandlung einer ehemaligen Zahnarztpraxis in einen Begegnungsort begleiteten wir die Mietergenossenschaft Wöhlertgarten eG bei Planung, Nutzungsänderungsantrag und Umsetzung auf der Baustelle. Was bei einer solchen scheinbar übersichtlichen Renovierung zu klären ist, lesen Sie hier:

1. Umnutzung und Abstimmung mit dem Bauamt

Wenn Räume mit oder ohne Umbau plötzlich anders genutzt werden sollen, ist in der Regel eine Klärung mit dem Bauamt nötig, so auch in diesem Projekt. Für den Antrag auf Nutzungsänderung benötigte die Mietergenossenschaft eine Planung mit den Abriss- und Neubaumaßnahmen, Quadratmeterangaben und der neuen Aufteilung im Grundriss, eine Schnittzeichnung, eine Baubeschreibung sowie eine Betriebsbeschreibung. Letztere erläutert, wie die Räume genutzt werden, z.B. Anzahl von Personen, Tätigkeiten und Öffnungszeiten.

Ebenso muss ein sogenannter Brandschutznachweis und ein Rettungswegeplan erstellt werden. Hier wird festgelegt, welche baulichen Maßnahmen für den Brandschutz umgesetzt werden müssen und wo die Rettungswege verlaufen. Dafür zogen wir eine Brandschutzsachverständige zu Rate und nahmen auch Einblick in die ursprüngliche Baugenehmigung für die Zahnarztpraxis.

Zum Glück waren nur wenige Eingriffe erforderlich, so z.B. die Ertüchtigung der Ausgangstüren in die Treppenhäuser mit automatischen Schließmechanismen und einer weiteren Dichtung. Dies bewirkt, dass im Brandfall kein Rauch durch diese Türen dringen und sich im Treppenhaus ausbreiten kann.

2. Der Fußboden

Für den großen Gemeinschaftsraum, den sich die Mietergenossenschaft wünschte, wurden die drei Behandlungsräume der ehemaligen Zahnarztpraxis zusammengelegt. Nach Abriss der Wände stellte sich heraus, dass sowohl abgehängte Decken als auch der Fußboden unterschiedlich hoch waren. Da die gesamte Fläche aber natürlich ohne Stolperstellen schwellenlos ausgeführt werden sollte, war eine Anpassung nötig.

Der Boden wurde mit Ausgleichsmasse nivelliert, nachdem in manchen Bereichen Material abgestemmt worden war. Es mussten bei neuen Aufbauhöhen auch Türen gekürzt werden. Vorhandene Bodentanks wurden entfernt. Nun war die Voraussetzung für die Linoleumverlegung gegeben.


3. Die Decke

Auch an der Decke zeichnete sich die ehemalige Raumaufteilung ab. Durch diese Versprünge, aber auch, weil wir den Unterbau nicht kannten und die Raumhöhe gern ausnutzen wollten, wurden die alten Decken zunächst entfernt. Hier gab es eine weitere Überraschung: Ein Bereich war eine offene, unverputzte Holzdecke.

Zwar konnte im Zuge der Brandschutzüberlegungen ausgeschlossen werden, dass die Decke feuerfest ertüchtigt werden musste, aber ein Minimum an Feuerwiderstand ist dennoch umzusetzen. So wurde die Holzdecke zunächst gesondert verkleidet. Zusätzlich wurden die Putzdecken in den übrigen Bereichen dicht verspachtelt. Erst dann konnte die Decke erneut abgehängt werden. Für eine gute Raumakustik sind Holzwolleplatten mit Mineralwolleauflage eingebaut worden.


Die Bildstreifen zeigen die offene Holzbalkendecke mit Dielenbelag vor und nach der Verkleidung. Unten sieht man die alten abgehängten Decken mit Versatz, die verspachtelten originalen Decken mit neuer Unterkonstruktion und die fertige Akustikdecke.

Eine Herausforderung waren auch die Anschlüsse der neuen Decke an die Fenster. Mittels Handskizzen und genauer Abstimmung mit der Baufirma wurden im Bauprozess direkt vor Ort individuelle Lösungen für jedes Fenster gefunden. Dafür waren zum Teil zusätzliche Abkofferungen nötig.


4. Bürotrennwand – Trockenbau und Glasausschnitte

Durch eine neue Wand wurde ein Büroraum zur Vermietung geschaffen. Um Licht in den entstehenden Flurabschnitt lassen, sollten Glasausschnitte mitgeplant werden. Hier galt es, Kosten, Belichtungseffekt und Möbelstellplatz auf der Innenseite des Raumes gegeneinander abzuwägen. Schlussendlich wurde eine Glastür mit integriertem Oberlicht und ein separates Fenster-Element installiert.


5. Heizkörperverlegung

Da die Heizkörper vorher an den Zwischenwänden der Behandlungsräume installiert und im neuen Raum an den Stirnwänden eine Sitztribüne und Stauraum vorgesehen waren, brauchte es eine gut überlegte neue Heizlösung. Die bodentiefen Fenster zur Straße ließen keinen Platz für die Anbringung von Heizelementen.

Eine Fachfirma berechnete den genauen Bedarf und dann wurden zwei hohe und leistungsstarke Heizkörper an den breiten Wandbereichen der Außenfassade installiert. Einer der Heizkörper wurde von der untersten Stufe der Tribüne noch umbaut. Der andere Heizkörper befindet sich hinter dem Stauraumvorhang. Deshalb wurde der Vorhang für eine bessere Zirkulation mit Abstand zur Decke installiert. Ein Kantholz als Verstärkung in der Abhangdecke bietet eine sichere Unterkonstruktion für die Vorhangschiene.

Zur besseren Handhabung ist der Vorhang in mehrere Abschnitte aufgeteilt und die Akzentpunkte an den Öffnungsstellen sind aus abwischbarem Kunstleder.

Fotos: raumdeuter


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Wir unterstützen nicht nur bei der Planung und Bauüberwachung, sondern auch bei Umnutzungsanträgen beim Bauamt. Rufen Sie uns an – 030-616 52 852! 

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