Wie eine Ausstellung entsteht – Hintergrundgeschichten

Ein kleines Foyer mit einem Treppenaufgang in einem pragmatischen Gewerbebau. Im Vordergrund eine überdimensionale Fußskulptur mit anatomischen Motiven als Projektion. Weiße Wände. An einer Wand das Logo der Springer Aktiv GmbH. An der anderen Wand die Schriftzüge "Manufaktur. Mensch. Maschine. Material". An der Wand des Treppenaufgangs ein Zeitstrahl zur Firmengeschichte mit kreisrunden Bildern und Text.

Eine Ausstellung verbindet Wissen und Inhalte mit 2D-Darstellungen (Grafik, Text, Bilder), 3D-Objekten und dem umgebenden Raum. Auch eine kleine Ausstellungsplanung und die begleitende Umsetzung, z.B. für eine Darstellung der Firmengeschichte, benötigt viele Schritte, bis sie bestaunt werden kann.
Hier lesen Sie am Projektbeispiel, welche Fragen zu beantworten und welche spannenden Abläufe nötig sind, um zum Beispiel die Meilensteine eines Unternehmens zu präsentieren.

1. Inhaltliche Klärung

Zunächst stellt sich die Frage: Wer soll mit der Ausstellung angesprochen werden? Welche Themenschwerpunkte werden gesetzt und welche Geschichten und Fakten sollen erzählt werden? Welche Botschaft wird vermittelt?

Für eine Ausstellung braucht es (meist) Objekte, Bildmaterial, Textbausteine und historische Fakten. Sind diese schon vorhanden? Gibt es z.B. ein Firmenarchiv?
Wenn ja: Wer sichtet, wer hat den Überblick, wer wählt wie aus? Wer bewertet die Qualität und Eignung? Wer schreibt und redigiert Textbausteine?
Wenn es kein oder wenig Material gibt: Wer kümmert sich um die zusätzliche Erstellung z.B. von Fotos? Wer übernimmt die Verantwortung für neu zu erstellende Texte?

Von der Auftraggeberseite her ist es daher hilfreich, wenn beispielsweise die Marketing- bzw. Kommunikationsabteilung involviert ist. Statt inhouse kann die Sichtung, Auswahl und die inhaltliche Bearbeitung auch einem Planungsbüro zusätzlich zur Gestaltung übergeben werden. In jedem Fall braucht es eine verantwortliche Person, die Inhalte prüft und freigibt.

Nahaufnahme der Wandgestaltung mit Zeitstrahl und Meilensteinen.

 

2. Optik und Präsentation: Entscheidungen treffen

Während vermutlich die Räumlichkeiten für die Ausstellung schon feststehen, sind (am besten schon vor den ersten gestalterischen Entwürfen) folgende Überlegungen wichtig, die sich auf Aufwand und Kosten auswirken:
Soll die Ausstellung eher zweidimensional umgesetzt werden und sich auf eine Wandgestaltung mit Farben und Grafik konzentrieren? Ist es ausreichend, mit Bildmaterial zu arbeiten oder sollen auch dreidimensionale Objekte gezeigt werden? Platzangebot und Budget bestimmen mit, ob aufwändige Rahmen, Vitrinen, Podeste oder gar raumgreifende Installationen und bauliche Interventionen mitgedacht werden können. Ebenso relevant ist es zu wissen, ob Menschen in der Ausstellung mit den Objekten interagieren sollen und ob alle Sinne angesprochen werden (Stichworte: Anfassen, Zuhören).

Für die gestalterische Umsetzung ist es auch wichtig, ob die Ausstellungsplanung das Corporate Design des Unternehmens einbeziehen soll oder eine neue Gestaltung eine andere, ganz besondere Stimmung erzeugen kann.

Falls es noch gar keine Festlegungen gibt und die Auftraggebenden sich gern inspirieren und beraten lassen möchten, sind auch kleine Planungsschritte mit Konzeptskizzen und Vorentwürfen möglich. Dann lassen sich gemeinsam anhand von Beispieldarstellungen und Kostenschätzungen Prioritäten setzen. Welche Highlights sollen unbedingt umgesetzt werden und wo können gestalterische Mittel reduziert werden?

Eine Mindmap für die Umsetzungsmöglichkeiten einer Firmenausstellung, die sich auf die vier Sinne Hören, Sehen, Riechen, Fühlen bezieht. Es sind Stichworte festgeahlten wie Hörstation oder Guckloch.


3. Umsetzungs- und Planungskosten

Zeitnah im Planungsprozess sollten also Anspruch und Budget aufeinander abgestimmt werden. Im besten Fall gibt es schon eine Vorstellung vom Kostenrahmen, bevor die Konzeptphase beginnt. Das Budget bestimmt, mit welchen Mitteln Inhalte präsentiert werden können (2D/3D, Vitrinen, Elektro, Licht, Rauminstallationen usw.).

Wenn der Entwurf final festgelegt ist, beginnt die planerische Feinarbeit: Bildbearbeitung, grafische Reinzeichnung, Vektordaten und Druckvorlagen erstellen.

Oft beeinflussen Details und der Anspruch an die Umsetzungsqualität den Kostenrahmen. Wenn eine bestehende Wand eine strukturierte Oberfläche aufweist, muss man z.B. entscheiden, ob sie ganz neu gespachtelt werden soll oder ob man die Beschriftung trotzdem mit Folierung umsetzen kann. Alternativen wie Direktdruck oder Anbringung auf Tafeln sind ebenfalls abzuwägen. Ein Tipp: Manchmal halten Folien nicht gut auf bestehenden Untergründen. Ein Klebetest ist wichtig, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden!

Eine Besonderheit ist bei der Ausstellungsplanung zu bedenken. Durch die hohe inhaltliche und konzeptionelle Auseinandersetzung ist der Aufwand auf Seiten der Planenden besonders zeitintensiv! Anders als im Bauwesen sind daher die Planungskosten im Vergleich zu den Umsetzungskosten anteilig sehr hoch und können diese sogar übersteigen. Vergleichen lässt sich das vielleicht mit dem Designkonzept für Visitenkarten und Briefbögen. Wenn dafür erst ein Corporate Design und Logo entworfen werden muss, kostet die Marketing- und Grafikagentur mehr als das final gedruckte Material.

Die gezeichnete Wandansicht eines Treppenaufgangs. Man erkennt einen Zeitstrahl mit Text und Bildern. Es handelt sich um eine Ausstellungsplanung für die Meilensteine einer Firmengeschichte.


4. Beziehung zwischen Raum und Ausstellung 

Soweit möglich, berücksichtigt eine Ausstellungsplanung Wegeführung, Durchgangsbereiche sowie Ruhezonen und setzt Höhepunkte und Sichtachsen. Die Planenden müssen also wissen, wie sich die Gäste in den Räumen bewegen (sollen) und wo sie sich aufhalten. Auch bei geringem Budget (wenn Boden, Beleuchtung und Raumstruktur kaum oder gar nicht verändert werden), sind meist Renovierungsmaßnahmen und bauliche Anpassungen notwendig.

Ein Grundriss, der konzeptartig Themen und Wandmarkierungen für eine Ausstellungsplanung enthält.


Nachdem unser Büro im vorliegenden Beispielprojekt zwei verschiedene Gestaltungskonzepte entwickelt hatte, entschied sich die Firma Springer Aktiv AG für die klare grafische Variante. Nun galt es, die Gestaltungsansätze in die Räume zu bringen. Dafür haben wir Veränderungen vorgenommen, um die Aufmerksamkeit beim späteren Betrachten auf die Inhalte zu lenken. So waren der Treppenhauskern und eine Wand sowie die Türrahmen im Ausstellungsbereich rot gestrichen. Der Ton wirkte sehr dominant. Die Wände wurden weiß gemalert und die Türrahmen schwarz lackiert. So rückten insbesondere die WC-Türen in den Hintergrund und lassen nun den Bildschirminhalten den Vortritt. Der gesamte Firmenauftritt im Raum wirkt nun frischer, leichter und moderner.

Vorherbild eines Foyers mit Treppenaufgang. Eine Wand ist strahlend rot und trägt das Logo der Springer Aktiv GmbH in weiß. In der linken Bildhälfte steht ein rotes Ledersofa.Ein kleines Foyer mit einem Treppenaufgang in einem pragmatischen Gewerbebau. Im Vordergrund eine überdimensionale Fußskulptur mit Logo-Projektion. Weiße Wände. An einer Wand das Logo der Springer Aktiv GmbH. An der anderen Wand die Schriftzüge "Manufaktur. Mensch. Maschine. Material". An der Wand des Treppenaufgangs ein Zeitstrahl zur Firmengeschichte mit kreisrunden Bildern und Text. Zwei Personen gehen die Treppe hoch.
Vorher-Bild eines Treppenaufgangs. Weiße Wände und graue Fliesen. Die rechte Wand ist strahlend rot.Treppenaufgang mit Nahaufnahme eines Zeitstrahls zur Firmengeschichte. Kreisrunde Bildmotive sind mit Jahreszahlen und kurzen Texten kombiniert.

Im Treppenhaus begleiten die Ausstellungsinhalte als historische Meilensteine die Gäste entlang des Handlaufs. Ein „Aufstieg“ aus der Historie in die Gegenwart. Durch verbindende Linien werden die Besucher vom Treppenhaus her weiter in die verschiedenen Bereiche geleitet. Während das Thema „Maschine“ auf dem Weg in die Produktionshalle präsentiert wird, findet man „Menschen-Momente“ im Pausen- und Aufenthaltsbereich. So beziehen sich die Schwerpunkte auch auf die Raumfunktionen.

Nicht zuletzt bestimmen Licht und Leseabstand, welche Schriftgrößen verwendet werden. Hier sind Probedrucke sinnvoll, um die Originalgrößen vor Ort zu testen.

Über einem Treppengeländer aus Edelstahl hängen an einer weißen Wand Papierausdrucke von grafischen Linien und Text. Sie dienen als Probe-Ansicht für die schriftgröße von Wandbeklebungen innerhalb einer Ausstellungsplanung.


5. Leitobjekt Fuß

In unserem Beispielprojekt gibt es ein Fokus-Objekt: den riesigen Fuß gleich im Eingangsbereich. Ein Symbol für die Kernkompetenz des Unternehmens, das Wissen um die Fußgesundheit und ein Beispiel für ein bewusst gesetztes Highlight innerhalb der Kostenverteilung. Von der ersten Konzeptcollage bis zur Umsetzung war einiges zu berücksichtigen. Zunächst war zu klären, aus welchem Material dieses Objekt hergestellt werden kann und wie. Für einen Marmorfuß einen zweiten Michelangelo beauftragen? Gipskopien und Dekorationsobjekte für den Garten waren tatsächlich kurz im Blickfeld. Es stellte sich die Frage nach dem Gewicht und der gewünschten Größe. Würde das Objekt auch durch die Tür passen und manövrierbar sein?

Schlussendlich entschieden wir uns für 3D-Druck. Ein digitales 3D-Modell wurde gefunden und als Vorlage zur Herstellung gekauft. Der Fuß musste allerdings in mehreren Teilen gedruckt und zusammengesetzt werden. Die Oberfläche wurde gespachtelt und – für eine richtig glatte Optik – noch geschliffen und lackiert. 

Der Fuß passte in das Foyer und wiegt vergleichsweise wenig. Mit ca. 25 kg kann er z.B. auch auf Messeauftritte mitgenommen werden.

Drei Bilder zu der Fertigung eines 3D-gedruckten Fußobjekts: links ein Element im 3D-Drucker, in der Mitte zwei Zehen und rechts der Fuß in 3 Segmenten.


Ein besonderer Clou ist die Projektion auf dem Fuß. Aktuell ist das anatomische Innenleben sowie der Springer Aktiv-Schriftzug abwechselnd zu sehen. Der allmähliche Aufbau der anatomischen Darstellung erinnert an den Scanvorgang bei der orthopädischen Diagnose. Als völlig neue Idee wurde das animierte Logo eingeführt. Denn dass dieses eigentlich ein abstrahierter Seilspringer ist, wurde bisher kaum deutlich. Für eine passgenaue Projektion hat die Videokünstlerin Hanna Green sich um das Mapping gekümmert und Beamerposition und Motive akribisch ausgerichtet. Sie erweckte auch den Seilspringer zum Leben.

Ein Bild zum Thema Mapping und Konfiguration: Im Hintergrund ein überdimensionaler weißer Fuß mit einer anatomischen Projektion von Muskeln und Blutgefäßen. Davor steht eine Holzleiter. Am linken Bildrand erkennt man angeschnitten eine Person, die einen Fuß auf die Leiter stellt und am Laptop etwas programmiert.


6. Beispiel Monitor und Hörstation

Monitore mit Inhalten sind z.B. in Foyers oder Wartebereichen keine Besonderheit mehr. Entscheidungen sind dennoch zu treffen: Welche Inhalte sind zu sehen? Sind diese vorhanden (z.B. Imagefilme oder Eventdokumentationen?) oder müssen sie erst erstellt werden? Soll der Monitor interaktiv – also z.B. als Touchscreen – bedienbar sein? Erfolgt die Bespielung von einem Firmenrechner aus oder soll das Gerät am Installationspunkt unabhängig und eigenständig funktionieren? Dies wirkt sich auf Produktwahl und erheblich auf die Kosten aus.

Sofern Inhalte neu erstellt werden müssen, ist auch der zeitliche Faktor von Bedeutung. Hier sind erneute inhaltliche Abstimmungsschleifen und ggf. Nutzertests (bei Interaktionen) sinnvoll.
Nicht zuletzt müssen alle Anschlüsse für Strom und Daten vorhanden sein. Das kann zusätzliche Baumaßnahmen erfordern. Hausinterne Techniker oder Partnerfirmen, die sich im Gebäude auskennen, sind in jedem Fall von Vorteil.

In diesem Projekt entschied man sich zusätzlich für eine Hörstation, mit der die Tonspuren der bereits vorhandenen, auf dem Monitor gezeigten Image-Filme  angehört werden können. Ein Einhandhörer ist ein dafür sehr geeignetes Medium, um gezielt und fokussiert in die Medienstation einzutauchen und Video und Ton zusammen zu rezipieren. Zudem ermöglicht  der Einhandhörer, dass der Sound direkt der Medienstation zugeordnet wird, ohne den gesamten Pausenbereich zu beschallen.

Nahaufnahme einer Hörstation neben einem Touchscreen. Auf der Wand sieht man das Wort "Hören" und einen Pfeil, der auf de Einhandhörer zeigt.


7. Für immer? Aspekte von Aktualität und Veränderbarkeit

Für eine Umsetzung die nachhaltig ist und lange vorhält, sind ebenfalls einige Überlegungen hilfreich. Was, wenn nach einiger Zeit Abbildungen nicht mehr passen oder Texte obsolet werden? Folienbeklebungen kann man zwar im Gegensatz zu Wanddirektdruck oder Schablonierungen entfernen und erneuern, aber oft müssen die Wände wieder gemalert werden.

Im Beispiel sind die Fotos der Personen und die Meilenstein-Motive im Treppenhaus mit Klettband angebracht. So können die Tafeln einzeln getauscht werden. Als Untergrund wurde in gleicher Größe und Form eine Folie geklebt, so dass die Agentur alles wieder am richtigen Platz im Grundlayout befestigen kann.

Zwei Bilder, bei denen es um reversible Bildanbringung geht. Links sieht man eine schwarze Platte mit Klettpunkt, rechts eine Wand mit Bildmotiven und schwarzen, noch leeren Feldern für weitere Bilder.


Texte wurden ohnehin nur für die Fakten der historischen Meilensteine auf die Wand gebracht. Weitere Inhalte können in der Fußprojektion und auf dem Monitor jederzeit digital erneuert oder ergänzt werden. Zur Flexibilität gehört auch, in der Umsetzung schrittweise vorzugehen. So können Ausstellungsthemen ggf. an weiteren Wänden ergänzt oder neues Videomaterial erst später beauftragt werden.

Für die Objektpräsentation fiel die Entscheidung zugunsten einzelner Stelen mit Sockelpodest anstelle einer aufwändigen und raumgreifenden Podestlandschaft. Das modulare System kann nun ebenso z.B. für eine Messe transportiert und auch immer wieder etwas anders arrangiert werden.

Ein Bild von einem weißen Podest, auf dem sechs unterschiedlich hohe weiße Stelen mit quadratischem Querschnitt stehen. Sie sind noch leer. An der Wand im Hintergrund schwarze Linien, ein großes M und das Wort Material.

8. Kooperation Innenarchitektur und Szenografie

Bei diesem Projekt hat unser Innenarchitekturbüro mit einer Bühnenbildnerin und Ausstellungsgestalterin kooperiert. Während wir selbst bauliche Kompetenz und Grafikerfahrung mitbrachten, ergänzte Christina Mrosek Produktkenntnisse zu Modellen, Hörstationen, Videoprojektion sowie wertvolle Kontakte zu umsetzenden Spezialfirmen. Den kreativen Prozess belebten wir im gegenseitigen Sparring. Ein fruchtbares interdisziplinäres Projekt, das Lust auf mehr macht!

Fotos: raumdeuter, Christina Mrosek


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