7 Missverständnisse über Raumakustik – und welche Lösungen es gibt

Raumakustik im Büro, 7 Missverständnisse über Raumakustik und wie diese vermieden werden

1. Um die Akustik kümmern wir uns später

Wir werden oft zu Projekten gerufen, in denen die Räume zu stark hallen und man deshalb bei Gesprächen, Online-Meetings und Vorträgen nichts versteht oder sich schlecht konzentrieren kann: eine schlechte Raumakustik. Oft sind das Neubauten mit „zeitgemäßer, moderner“ Ausstattung. Alle Wände, Böden und Decken sind glatt und hart. In Büroräumen gibt es dann naturgemäß auch wenige Polstermöbel.

Hier etwas für die Akustik zu tun, bedeutet den nachträglichen Einbau von absorbierenden Elementen. Hier gibt es sehr schöne Lösungen – die aber auch oft kostspielig sind. Außerdem muss man sich mit bereits hängenden Leuchten, mit Möbeln oder konkurrierenden Kunstwerken auseinandersetzen. Besser wäre es, gleich bei der Planung die Akustik mitzudenken. Das heißt vor allem: Die Decke akustisch wirksam auszubilden, denn sie ist die größte freie Fläche im Raum. Sollte das nicht möglich sein, z.B. weil es eine Kühldecke oder Deckenheizung gibt, sind die Wandflächen einzubeziehen. Das ist manchmal nicht so einfach, weil man ja auch Stellflächen benötigt.
Wenn die Decke von vornherein als absorbierende Fläche mitgedacht wird, ist es in der Regel günstiger. Neben den bekannten Rasterdecken stehen auch gelochte Gipskartonoptionen oder Holzwolleplatten zur Verfügung. Alle Varianten lassen sich gestalterisch einbeziehen und können durchaus ästhetisch ausgeführt werden

Akustik im Büro

2. Dann hängen wir halt so ein Akustikbild auf

Akustisch wirksame Wandbilder werden zunehmend bekannter. Weniger bekannt ist: Wenig hilft … wenig! Für eine wahrnehmbare Verbesserung im Raum müssen mindestens 10% aller Flächen im Raum belegt sein, besser zwischen 30 und 45%. Da lässt sich leicht ausrechnen, dass zwei Wandbilder mit je einem Quadratmeter nicht viel ausrichten. Zudem gibt es bei den vielen Online-Anbietern auch Scharlatane. Wenn Ihr Wandbild als Bildfläche eine bedruckte Kunststoffplane ohne Perforierung hat, wird der Schall nicht geschluckt und der „Akustikschaum“ im Rahmen nutzt gar nichts. Schauen Sie nach Datenblättern, die den Absorptionswert angeben und die Funktionsweise genau beschreiben. Auch auf eine ausreichende Stärke des Wandabsorbers ist zu achten. Es sollten mindestens 5cm sein, besser 6-7cm. Erst dann wird ein relevanter Anteil der Frequenzen überhaupt absorbiert.
Akustikbilder können eine gute Ergänzung sein. Achten Sie auf große Formate und integrieren Sie die Bildmotive in die Raumgestaltung.

 3. Die Geschäftsfürhung hat sich jetzt doch für Teppichbelag entschieden

Richtig ist: Teppichbelag wirkt. Zuallererst dämpft er jedoch Schrittgeräusche. Die Absätze klappern nicht mehr auf dem harten Boden. Stühlerücken wird gedämpft. Teppich ist daher vor allem auf Laufwegen sinnvoll. Wo möglich, sollte man hochflorige Varianten und solche mit Akustikrücken wählen.

Schallwellen haben aber verschiedene Frequenzen und damit unterschiedliche Wellenlängen. Das bedeutet, dass dünne Materialstärken (wie der Teppich) nur hohe Frequenzen schlucken und nicht das ganze Spektrum. Für eine gute Raumakustik benötigt man daher Breitbandabsorber oder man muss mit verschiedenen Konstruktionen und Materialien auf alle Frequenzen eingehen. Das beginnt ab 5cm und kann bis zu 45cm für Bassfrequenzen bedeuten!

Eine abgehängte Decke mit einer absorbierenden Auflage und einem zusätzlichen Luftraum von mindestens 20cm ist daher der ideale Breitbandabsorber.

 

4. Akustikdecken sind doch nicht schön!

Fragen Sie jemanden, der es besser weiß! Für klassische Rasterdecken kann man im Detail über die Art der Profile, die Optik und das Format der Einlegeplatten oder über verdeckte Montage beraten. Eine Rasterdecke lässt sich auch als geometrisch perfektes Deckenfeld ausführen, das ein glatt gespachtelter Randfries einrahmt. Materialien wie Holzwolle- oder Metallgitterdecken unterstützen Ihren gewünschten Ausdrucksstil und Ihre Firmenbotschaft, z.B. Industrial Look, technische Präzision oder nachhaltiges Engagement. Gelochte Gipskartondecken bieten verschiedene Musterlochungen. Felder können individuell in Form gespachtelt und die Decken farbig gestaltet werden.
Akustik Decke Apotheke Steulochung Trockenbau

5. Es stört, wen telefoniert wird. Wir brauchen Stellwände.

Ja, Absorber auf Höhe der Sprechenden können Verbesserungen bewirken, etwa Tischumhausungen wie in einem Call-Center. Optische Abtrennungen haben auch die psychologische Wirkung, Nebenaktivitäten besser ausblenden zu können. Aber keine Maßnahme mit Schallabsorbern macht Telefonate stumm. Ganz im Gegenteil: Mit verbesserter Raumakustik steigt die Sprachverständlichkeit. Auch, wenn der Geräuschpegel dann insgesamt sinkt, lenken Gespräche mehr ab. Zudem ist nicht überall die „Kisten-Optik“ wünschenswert.
Eine Akustikmaßnahme muss daher immer ganzheitlich gesehen werden: Schaffen Headsets zusätzlich Abhilfe? Können Stillarbeit und lautes Telefonieren organisatorisch getrennt werden? Sollte die Bürolandschaft doch baulich aufgeteilt werden und sind Telefonboxen sinnvoll? Die Analyse der Arbeitsweisen und interne Regeln zum Miteinander sollten an erster Stelle stehen.

Im Übrigen kann auch ein Vorhang niemals eine Wand ersetzen, egal, wie gut seine Absorbereigenschaften sind! Sprechen Sie mit den Planenden immer konkret über Ihre wirklichen Anforderungen.

 

Veranstaltungsraum Akustik Streulochung

6. Das ist zu teuer.

Teuer wird es zum einen, wenn Raumakustik nicht gleich im Planungsprozess integriert ist (vgl. Punkt 1.) Ästhetisch ansprechende Deckensegel, Wandbilder, Stoffbespannungen und nachträgliche Designerlösungen sind oft hochpreisig. Die fehlende Investition kann sich aber auch anders auswirken. Wenn das Restaurant oder der Vereinssaal nicht gemütlich ist und die Gäste ausbleiben, weil man sich beim Plaudern gegenseitig nicht versteht. Oder wenn Mitarbeitende Kopfschmerzen bekommen oder sich nicht konzentrieren können. Auch zunächst günstig erscheinende Lösungen wie angeklebte Schaumplatten erweisen sich manchmal als Falle. Der Kleber hält nicht optimal und die Platten fallen ab – dann sind neue Renovierungsmaßnahmen nötig. Günstige Deckensegel verformen sich oder der Schaum zieht Schmutz an und lässt sich nicht reinigen. Lieber gleich von Beginn an in eine langfristige Lösung investieren.
Lockrasterdecke akustisch wirksam

7. Darüber hat sich bei uns noch keiner beschwert.

Ein geringfügiger Nachhall und schlechte Sprachverständlichkeit werden oft nicht bewusst wahrgenommen. Menschen passen sich an. Man redet etwas lauter, setzt sich näher zusammen oder schiebt die Erschöpfung nach der Gemeindeweihnachtsfeier oder der Konferenz auf den Trubel oder die Anspannung des Tages. Dabei ist der „Lombard-Effekt“ wissenschaftlich beschrieben: Wegen schlechter Verständlichkeit redet man lauter, der Lärm und Nachhall wird stärker, man redet noch lauter, um sich verständlich zu machen, der Geräuschpegel steigt weiter.

Im Vergleich dazu spricht man in einem stark gedämpften Raum automatisch leiser, bewegt sich ruhiger und kann besser entspannen und sich konzentrieren. Man fühlt sich wohler – ohne sagen zu können, woran es liegt.

Mikroperforierung, Akustik, Wandverkleidung mit Motiv

Entdecken Sie mit uns die Welt der gut gestalteten Raumakustik! In vielen Projekten haben wir passende Lösungen umgesetzt. Wir beraten Sie gern.

Rufen Sie uns an: 030 – 616 52 852

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