5 Tipps für eine barrierefreie Apotheke

Eine Apotheke am Abend von außen mit einem leuchtenden Apothekenschild. Einblick in den Innenraummit Sitzbänken. Es ist das Beitragsbild zum Blogbeitrag "Apotheke barrierefrei".

Schon gewusst? Nach ApBetrO § 4 (Verordnung über den Betrieb von Apotheken) und als öffentlich zugänglicher Ort der Daseinsvorsorge muss eine Apotheke barrierefrei sein. Dies wird auch durch Gerichtsurteile bekräftigt. Und Barrierefreiheit ist mehr als Rollstuhlgerechtigkeit. Sie bezieht alle Sinne ein und berücksichtigt verschiedene Personengruppen. Gerade mit der älter werdenden Bevölkerung ist eine gut geplante, kundenfreundliche  Apotheke eine Investition in die Zukunft.
Welche Maßnahmen in einer Apotheke hilfreich für alle Kunden und Kundinnen sind, erläutern wir hier.

1. Keine Hürden – Schwellenloser Zugang und viel Platz

Eine automatische Schiebetür und ein ebener Zugang erleichtern nicht nur Menschen im Rollstuhl den Besuch der Apotheke. Viele Personen, die Medikamente abholen, freuen sich darüber. Nach einem Unfall oder einer Behandlung bewegt sich die eine auf Krücken, der andere schiebt einen Rollator oder Kinderwagen. Nach dem Einkaufen hat man vielleicht viele Taschen dabei. Oder jemand holt sich auf dem Weg zum Hotel mit dem Rollkoffer noch Kopfschmerztabletten. Ein anderer wird von einem Assistenzhund begleitet. Dann hilft allen auch genügend Bewegungsfreiheit, wenn mal viel Andrang herrscht. Mehr Platz bedeutet außerdem auch mehr Abstand und damit mehr Diskretion.

Absichtlich gibt es auch keine farbliche Schwelle im Fliesenboden: Optische Kontraste in Bodenbelägen werden von sehschwächeren oder auch dementen Personen manchmal fälschlich als Absatz oder Loch wahrgenommen. Dies gilt es zu vermeiden.

Blick in eine barrierefreie Apotheke. Der Zugang ist schwellenlos und der Boden überall glatt und gleichfarbig.

2. Tresengestaltung in der Apotheke

Bei der Tresenplanung müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Ein Tresen sollte für verschieden große Menschen zugänglich sein und auch im Rollstuhl Sitzende und kleinwüchsige Menschen berücksichtigen. Gleichzeitig sollen die Angestellten und auch die Kasse, die technischen Geräte und persönliche Daten geschützt sein. Das wirkt sich auf die Gestaltung der Höhen aus. Die Gesamthöhe ist im Projektbeispiel relativ niedrig gehalten. Der Personalbildschirm ist dagegen erhöht eingebaut. In jedem Fall sollte eine Taschenablage eingeplant werden. Im gezeigten Beispiel zieht sich diese um den Tresen herum. Für eine individuelle Ansprache kann auch seitlich vom Tresen bedient und beraten werden. Ein zum Kunden gerichteter Bildschirm zeigt wichtige Informationen gut einsehbar an.

Bei den Beratungstresen ist es gut, wenn es mehrere getrennte und eindeutig erkennbare Anlaufpunkte gibt. So lässt sich leichter für Diskretion und Privatsphäre sorgen. Hygiene ist im medizinischen Umfeld wichtig. Daher sollten Oberflächen leicht zu reinigen sein und ein Schutzschirm gegen Tröpfcheninfektion gleich gestalterisch in das Möbel integriert werden.

Ein Doppelbild mit Tresen in einer Apotheke. Links ein Beratungsgespräch, rechts ein Blick auf 3 dunkelgraue, separat gestellte Tresen mit kontrastreichen hellen Holzarbeitsplatten. der raum ist eine Apotheke. Viel Platz und die Tresengestaltung machen die Apotheke barrierefrei.

3. Sitzgelegenheiten

Gerade in Apotheken sind die Kunden und Kundinnen oft gesundheitlich angeschlagen oder älter. Da sind Sitzgelegenheiten willkommen. Ob für ein kurzes Verschnaufen oder eine individuelle Beratung zu einem Medikament im Sitzen oder für das entspannte Heraussuchen von Unterlagen aus der Tasche kann eine Sitzbank hilfreich sein. Aber auch Begleitpersonen oder Kinder mögen sich auf einem Hocker mit Lektüre gern die Wartezeit vertreiben.

Verschiedene Höhen bieten Vorteile für große und kleine Menschen. Die höhere Sitzfläche dient z.B. für kurzes Anlehnen, für besseres Wieder-Aufstehen oder auch ganz einfach als Taschenablage. Vielleicht mag man auch kurz ein Kind auf Augenhöhe absetzen, falls eine Mitarbeiterin sich zu einem Krankheitsbild einen Eindruck verschaffen möchte. Für den Ernstfall lässt sich aus den losen Hockern und den Sitzbänken sogar eine Liegemöglichkeit kombinieren.

Doppelbild mit roten Sitzbänken in einer Apotheke

4. Gut hören 

Die Hygieneanforderungen in der Apotheke bedingen glatte und harte Oberflächen. Dies kann zu einer ungünstigen Raumakustik führen. Das Verkaufsgespräch ist dann schwer zu verstehen, insbesondere für ältere oder schwerhörige Menschen oder wenn es sehr voll ist. Gute Hörsamkeit ist somit wichtig, wenn die Apotheke barrierefrei für alle sein soll. Um den Raumschall zu verbessern, sollte die Decke akustisch wirksam, also schallschluckend, ausgeführt werden. In unserem Beispiel wurde eine Gipskartondecke mit Lochung verwendet, die mit genügend Abstand sowie Mineralwolleeinlage montiert wurde.
Durch die getrennten Tresen und die seitliche Zugänglichkeit können Menschen mit Hörbeeinträchtigung außerdem näher auf die beratenden Angestellten zugehen und akustisch verständlich und weiterhin diskret bedient werden.

5. Gut sehen und sich zurechtfinden

Für Menschen mit beeinträchtigter Sehkraft – durch Alter, Krankheit oder kürzlich erfolgter Behandlung – sind Kontraste wichtig. Insbesondere die wichtigen Anlaufpunkte sollten gut erkennbar sein. Hier sind die Tresen als große dunkle Möbelblöcke betont. Durch den beleuchteten Sockel heben sie sich zusätzlich vom Boden ab. Auch die Sitzbänke weisen horizontal gegliederte Kontraste auf.
Besonderes Augenmerk wurde auf den Schutzstreifen an den Glasfassaden gelegt. Solche Beklebung ist als Durchlaufschutz vorgeschrieben. Da je nach Lichtverhältnissen die Beklebung verschieden gut sichtbar ist, sind zwei Farbtöne mit verschiedenen Helligkeiten verwendet worden. Auf den Fotos ist erkennbar, wie jeweils eine Farbe in den Vordergrund tritt, wenn sich Hintergrund und Lichteinfall verändern.

Auch die Beschilderung zu den Nebenräumen und WCs wurde kontrastreich und gut lesbar in den Logofarben der Apotheke umgesetzt.

Dunkle Tresen in einer Aptheke mit viel Kontrast für Barrierefreiheit.
Ein Bildstreifen mit 3 Bildern zu einer Glasbeklebung für eine Apotheke. Die Folienbeklebung besteht aus kontrastreichen roten und weißen Punkten, die je nach Lichteinfall sichtbar sind.


Zur Webseite des Apothekenprojektes geht es hier >>>

Barrierefreie Räume helfen im Alltag allen. Deshalb passt der englische Begriff besser: Design for all. Sollen wir auch Ihre Apotheke barrierefrei und kundenfreundlich planen?

Rufen Sie uns an – 030-616 52 852! Gern auch für Arztpraxen, Physiotherapien oder Ladengeschäfte. Wir sind Ihr sympathisches Innenarchitektur-Team in Berlin!

Grafik und Wegleitsystem in einer Apotheke. Man sieht einen weißen Adlerkopf in einem roten Kreis sowie eine Türbeklebung als roter Kreis mit dem weißen Schriftzug Büro.

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