Auftraggeber: privat
Standort: Dorf in Brandenburg
Zeitraum: seit 2003
Fläche: ca. 350m²
Themen:
Alt und Neu harmonisch verbinden
natürliche Baumaterialien
Goldene Energie
Umfassende Sanierung und Modernisierung eines Vierseithofes in Brandenburg
Zeitschichten und Goldene Energie
Das von den Vorfahren übernommene Bauernhaus mit Hofanlage hat viel erlebt. Es wurde in den 1870er Gründerjahren erbaut – möglicherweise sogar auf alten Bestandsmauern und unter Wiederverwendung von Baumaterial. Es überdauerte mehrere Staatsformen und Wirtschaftslagen. Weil jahrzehntelang keine grundlegenden Umbauten stattgefunden haben, gleichzeitig die Substanz aber immer bewohnt und gesichert war, konnte die Baufamilie die umfassende Modernisierung mit großer Wertschätzung und Weiternutzung von alten Details angehen.
Während der schrittweisen Renovierung, bei der manche Räume auch mehrfach angefasst und die Nutzung wieder verändert wurde, traten immer wieder spannende Zeitzeugnisse zu Tage. Ob alte Strukturen im Mauerwerk, Schablonierungen unter der Tapete, Kolonialwarentüten unter den Dielen oder gar historische Terrakottaplatten – nicht alles konnte erhalten, aber zumindest teilweise dokumentiert werden.
Zunächst wurde der Dachstuhl ertüchtigt und das Dach unter Austausch der Betondachsteine mit roten Ziegeln neu gedeckt. Das Haus erhielt wieder sein altes Gesicht, als die sprossenlosen DDR-Fenster durch weiße Holzfenster mit Unterteilung ersetzt wurden. Die alte Haustür konnte nicht aufgearbeitet werden, wurde aber originalgetreu nachgebaut. Die Sanierung der Straßenfassade steht noch aus.
Die bisherigen energetischen Maßnahmen beinhalteten die Erneuerung der Heizungsanlage (Hackschnitzelheizung mit Pufferspeicher), die Errichtung einer PV-Anlage mit Speicher, den bereichsweisen Einbau von Fußbodenheizungen und Flächenheizkörpern, aber auch die Aufarbeitung alter Gusseisen-Heizkörper sowie die umfassende Dämmung an der Fassade mit Ausnahme der Schmuckfassade an der Straßenseite. Der Feuchtebelastung des Mauerwerks wurde mit einer neuen Kapillarsperre und teilweisem Austausch der Sockelbereiche begegnet. In vielen Bereichen wurde bei der Sanierung der Putz im Innenbereich vollständig erneuert, Holzfachwerk abgeschliffen und geölt und der Bodenaufbau bis auf die Kappendecken erneuert. Zum Hof wurden die Fenster bodentief vergrößert.
Ebenso musste eine vorsintflutliche Gülle-Lösung gesetzeskonform durch eine monolitische Abwassergrube ersetzt werden. Für die Elektrik und die modernen Anforderungen von Datennutzung und -vernetzung ist die gesamte Elektroanlage von Grund auf neu konzipiert worden.
Mit schrittweiser Grundsanierung der einzelnen Räume kommt nach und nach das Gesamtkonzept für Farben und Materialien zum Tragen. Hölzer wie Eiche und Bambus, teilweise abgeschliffene historische Dielen und die warmen Farben des Lehmputzes werden kombiniert mit weißen Flächen, Kalkputz und kontrastreichen schwarzen und anthrazitfarbenen Akzenten. Als Hommage an die bereits vorhandenen historischen Musterfliesen im alten Hausflur werden auch in den sanierten Räumen lokale Zahna-Fliesen verwendet. Die alten Kassettentüren und die Kastenschlösser wurden liebevoll aufgearbeitet. Wo möglich, wurden Sockelleisten flächenbündig eingepasst. Bei den individuellen Planungen für Einbau- und Küchenmöbel wurden alltägliche Bedürfnisse genauestens berücksichtigt. Gleichzeitig werden geerbte individuelle Möbel weiter genutzt.
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Fotos: privat; Emmanuel Decouard

