Orientierung und Wegeleitung: Was ist was?

Orange Wand mit der Aufschrift Technik und Archiv und einem Pfeil. Es ist das Themenbild zu einem Beitrag zu Orientierung und Wegeleitung und der Begriffsbestimmung in diesem Themenfeld.

Orientierung im Raum: Was ist der Unterschied zwischen Wegeleitsystem, Orientierungsdesign und Signaletik?

Wir alle kennen das Gefühl: Man betritt ein fremdes Gebäude – sei es ein großer Bürokomplex, ein Krankenhaus oder ein Hochschul-Campus – und sucht nach dem richtigen Weg. Wenn wir unser Ziel mühelos und stressfrei finden, steckt dahinter keine Magie, sondern sehr gute Planung. Doch wer sich mit der Navigation in Gebäuden beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Fachbegriffen.

Was genau ist der Unterschied zwischen einem Orientierungssystem und einem Wegeleitsystem? Und was macht eigentlich das Orientierungsdesign? In diesem Artikel bringen wir Licht ins Dunkel und erklären, wie die Begriffe zusammenhängen und aufeinander aufbauen.

Was versteht man unter Orientierungsdesign? (Die Disziplin)

Orientierungsdesign ist die übergeordnete Disziplin. Es ist kein isoliertes Fach, sondern ein stark interdisziplinäres Feld. Hier fließen Erkenntnisse und Methoden aus der Innenarchitektur, dem Kommunikationsdesign, dem Informations- und Produktdesign sowie der Umweltpsychologie zusammen. Wer im Orientierungsdesign arbeitet, beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, wie Menschen Räume wahrnehmen und wie man sie intuitiv lenken kann, noch bevor das erste Schild entworfen wird.

Was gehört zu einem Orientierungssystem? (Der übergeordnete Begriff)

Das Orientierungssystem ist die Summe aller Eindrücke. Dieser Begriff umfasst die Gesamtheit aller Elemente, die einem Menschen helfen, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden. Es geht weit über reine Textinformationen hinaus und spricht alle Sinne an. In einem Projekt muss vorab definiert werden, welche dieser Bausteine zum Einsatz kommen. Zu einem ganzheitlichen Orientierungssystem gehören unter anderem:

  • Architektonische Merkmale (z.B. Sichtachsen oder prägnante Treppenhäuser)
  • Lichtgestaltung, Materialität und Farbzonen (zur Unterscheidung von Abteilungen oder Stockwerken)
  • Klassische Leitsysteme mit Schildern, Leitstreifen und Bodenmarkierungen
  • Akustische Elemente wie Durchsagen
  • Tastbare (haptische) Elemente für eine barrierefreie Erschließung

 

Wie entsteht ein Wegeleitkonzept? (Das Regelwerk)

Bevor Schilder produziert werden, braucht es einen Masterplan: das Wegeleitkonzept. Dies ist das detaillierte Regelwerk für das Gebäude. Hier findet die unsichtbare, analytische Fleißarbeit statt. In dieser Phase werden die Wegestrukturen logisch gegliedert und Verkehrsströme analysiert. Man definiert sogenannte Entscheidungspunkte (Knotenpunkte), an denen Besucher abbiegen oder weitergehen müssen, und legt Zielhierarchien fest. Das Konzept beantwortet präzise Fragen:

  • Standortpläne: Wo genau muss welches Schild stehen, damit Besucher im richtigen Moment die nötige Information erhalten?
  • Inhaltsmatrix: Welcher Text steht auf welchem Schild? Wie lang dürfen die Begriffe sein und in welcher Hierarchie stehen sie zueinander?
  • Gestaltungsrichtlinien: Wie groß muss die Schrift sein? Welche Farben, Medien und Piktogramme kommen zum Einsatz? Wie gliedert sich das Konzept in die bestehende Architektur ein?
  • Barrierefreiheit & Universal Design: Wie wird das 2-Sinne-Prinzip (Informationen müssen z.B. visuell und taktil oder visuell und akustisch erfassbar sein) umgesetzt?

 

In diese Konzeptphase fällt auch die Definition aller benötigten Elemente, vom Wegweiser über Übersichtsstelen und digitale Infoterminals bis hin zu Türschildern und Bodenmarkierungen.

 

Ausstellungsgestaltung mit Großformatbildern auf Forexplatten, schwarzen Linien und Schriftzügen.

 

Was bedeutet Signaletik in der Architektur? (Der Gestaltungs-Überbegriff)

Oft fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff Signaletik (englisch: Signage). Die Signaletik ist der gestalterische Überbegriff für die visuelle Kommunikation im Raum. Hier geht es um die konkrete Formensprache: den Einsatz von Schrift, Symbolen und Farbe. Die Signaletik umfasst neben der eigentlichen Zielführung auch sicherheitsrelevante Aspekte, wie etwa die normgerechte Beschilderung von Fluchtwegen oder Kennzeichnungen für den Gefahrenfall.

Was ist ein Wegeleitsystem / Leitsystem? (Das Ergebnis)

Das Wegeleitsystem – oft auch einfach Leitsystem genannt – ist schließlich das greifbare Resultat. Es ist die praktische, physisch im Raum wahrnehmbare Umsetzung des Wegeleitkonzepts.

Wenn das Konzept steht, beginnt die Umsetzungsphase: Jedes einzelne Schild oder Informationsobjekt wird layoutet, gesetzt und für den Druck bzw. die Fertigung vorbereitet. Danach folgen die Produktion und die finale Montage. Das Wegeleitsystem sind also die fertigen Schilder, Stelen und Markierungen, die real im Raum installiert sind und uns sicher ans Ziel bringen.

Zusammenfassung: Wie alles ineinandergreift

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Orientierungsdesign (die Disziplin) nutzt das Wegeleitkonzept (den Regel- und Analyseplan) sowie die Signaletik (die visuelle Gestaltung), um ein allumfassendes Orientierungssystem (die ganzheitliche Sinneserfahrung im Gebäude) zu schaffen. Das physische Endprodukt, dem Sie im Flur begegnen und an dem Sie sich orientieren, ist schließlich das Leitsystem.

Haben Sie Fragen zur Umsetzung in Ihrem aktuellen Projekt? Wir bei raumdeuter entwickeln durchdachte Konzepte, die sich nahtlos in die Architektur einfügen und Menschen intuitiv ans Ziel führen. Wir verbinden Innenarchitektur mit informativer Grafik und leitender Farb- und Materialwahl.

Erfahren Sie hier mehr über unsere Leistungen und Projekte im Bereich Wegeleitsystem >>>.

Ungewöhnliche minimalistische Grafik für die Wegeleitung zu den Toiletten

Aktuelles

Juliane Moldrzyk als Fachpreisrichterin

Die Stiftung Europa-Universität Viadrina beabsichtigt den Umbau der alten Mensa in einen Coworking Space für Studierende, Promovierende, Gründende und Mitarbeitende der Universität...